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Die vier Beschleuniger am PSI

So funktioniert Beschleunigen

HIPA – Hochstrom-Protonenbeschleuniger

590 MeV Protonen

Drei Stufen (Cockcroft-Walton, Injektor-2-Zyklotron, Ringzyklotron) bringen Protonen auf 79 % der Lichtgeschwindigkeit, mit bis zu 2,4 mA (1,4 MW) – Weltrekord für Zyklotron-Anlagen. Der Strahl erzeugt Neutronen (SINQ), Myonen (SμS) und Pionen für Materialforschung und Teilchenphysik.

Pionen und Myonen: Der Strahl trifft zuerst auf zwei rotierende Graphit-Räder, Target M (5 mm) und Target E (40 mm). Dort entstehen Pionen, die in Myonen zerfallen. Die Myonen nutzt die Myonenquelle SμS, unter anderem für μSR-Messungen (Myonen als winzige Magnetfeld-Sonden in Materialien). In den 1980er-Jahren waren die Targets aus Beryllium; sie hielten dem Strahl nicht stand und sind seit den 1990er-Jahren aus Graphit. Geplant ist HIMB (High-Intensity Muon Beams) mit rund 100-mal mehr Myonen.

Isotope für die Medizin: HIPA-Protonen werden auch direkt zur Herstellung radioaktiver Isotope genutzt; heute schon an der Bestrahlungsstation IP2 mit einem Teil des 72-MeV-Strahls. Dafür entsteht TATTOOS («Targeted Alpha Tumour Therapy and Other Oncological Solutions»), eine neue Anlage, die einen Teil des 590-MeV-Strahls (rund 100 µA) auf Tantal-Targets lenkt. Bau und Inbetriebnahme sind für 2029–2032 geplant, gemeinsam mit Universität und Universitätsspital Zürich. Zuerst sollen die Terbium-Isotope Tb-149, Tb-152 und Tb-155 entstehen.

Die Idee heisst Theranostik: dasselbe Element zuerst zum Aufspüren des Tumors, dann zur gezielten Bestrahlung von innen.

Ort: PSI West (genaue Koordinate in OSM nicht gefunden, Punkt ungefähr). Quellen: psi.ch – HIPA, psi.ch – Targets, Meson-Targets (Beryllium-Historie), psi.ch – TATTOOS, psi.ch – TATTOOS (IMPACT), psi.ch – Radiopharmazie (Zeitplan), Sci. Rep. 2024 (Tb-Isotope), Kiselev (HIMB)

PROSCAN / COMET – Protonentherapie

250 MeV Protonen

COMET ist ein supraleitendes Zyklotron, seit 2007 in Betrieb, nur für die Medizin. Ein Graphit-Abbremser stellt die Energie zwischen 70 und 250 MeV ein, je nachdem, wie tief ein Tumor liegt. Behandelt wird an Gantry 2, Gantry 3 und der Augen-Station OPTIS2.

Ort: PSI West, Zentrum für Protonentherapie (OSM «Proton Therapy (WPTA)»). Quellen: Kiselev 2021 (PSI), Cyclotrons 2007

SLS – Swiss Light Source

2,7 GeV Elektronen

Speicherring mit 288 m Umfang. Seit dem Umbau zur SLS 2.0 (Abschaltung ab Oktober 2023, rund 15 Monate) läuft er mit 2,7 GeV statt früher 2,4 GeV, mit etwa 100-mal hellerem Licht. Das Licht entsteht in Ablenkmagneten (breites Spektrum, z. B. Superbends) und in Undulatoren: Magnetreihen, die die Elektronen im Slalom führen und dadurch sehr helles Licht bei ausgewählten Wellenlängen erzeugen.

Beispiele: Proteinkristallografie an den Strahllinien PXI, PXII und PXIII (Struktur von Eiweissen, z. B. für Medikamente). Tomografie an S-TOMCAT und I-TOMCAT (3-D-Röntgenbilder bis unter einen Mikrometer).

Quellen: psi.ch – Storage ring, Willmott 2024 – SLS 2.0, psi.ch – TOMCAT

SwissFEL – Röntgen-Freie-Elektronen-Laser

bis ca. 6 GeV Elektronen

Ein 740 m langer Linearbeschleuniger. Die Elektronen laufen danach durch lange Undulatoren (Aramis: 12 Stück über 60 m) und senden dabei laserartige, kohärente Röntgenblitze aus, die nur 1 bis 60 Femtosekunden dauern. Aramis (harte Röntgenstrahlung) läuft mit 2,2 bis 6,2 GeV (Auslegung: max. 5,8 GeV), Athos (weiche Röntgenstrahlung) mit rund 3 GeV.

Ort: im Würenlinger Wald, angrenzend an das PSI-Gelände (Ost-Seite der Aare, Gemeinde Würenlingen). Quellen: psi.ch – SwissFEL, Paraliev 2022

Die Standorte sind auch in der GPS-Liste auf der PSI-Seite.